Mit Augenringen und Apfelringen in das Land der 3 Meere

Es ist Sonntag 3.50 Uhr, Mitte Oktober, der Wecker klingelt. Die Koffer haben Günes und ich am Vorabend gepackt, so dass wir uns nur noch tranceartig zum Flughafen beamen müssen. Im Gepäck befinden sich 3 T-Shirts, 2 Shorts, 1 Sonnenbrille und viel wichtiger 1 ganzer Umzugskarton voll mit getrockneten Apfelringen und ein Brocken von Vitamix für die Testproduktion vor Ort.

Der Vorteil des Minimalgepäcks – minimal viel Waschen, minimal viel denken müssen bei der Outfitwahl, minimal Auspacken bei der Rückreise.

Auch der mentalen Kleiderschrank soll hier bleiben, Erwartungen und Hoffnungen an den Output der Reise zu hause parken.

Die Uhrzeit hilft das Denken endgültig sein zu lassen, auf dem Weg zum Flughafen versenke ich gedankenlos meine EC-Karte im Geldschlitz des Fahrkartenautomaten auf Nimmerwiedersehen. „Detaching from matter „ heißt es in spirituellen Kreisen doch so schön.

Günes übernimmt…einer der vielen Vorteile eines Teams;)

Tschüss Plan A auf zu Plan E

Wir heben ab in Richtung Türkei, die zweite Heimat von Günes, genauer auf die Halbinsel Canakkale, wo wir unsere zukünftige Produktion für die IFOs planen/erhoffen/vermuten oder besser gesagt finden wollen.

Wir sitzen im Flieger und ich drifte ab in die letzten 8 Monate. Wieviele Orte wir schon als neue Produktionsstätte kommen und dann vor allem gehen sahen. Und mit ihnen gingen auch immer Pläne, Hoffnungen und Erwartung, dass es doch bald wieder losgehen würde mit den IFOs.

Rückblickend betrachtet, war und ist jede Reise und jeder Kontakt so wichtig, weil es sortiert hat. Das Nötige vom Unnötigen, Priorität von Perspektive und und und.

8 Monate, die als Team sehr herausfordernd waren.

Loslassen aber nicht aufhören, ganz leicht zu verwechseln, wenn Zeit und Geld davon rennt.

Aufhören? Möglicherweise.

Wir einigten uns stillschweigend auf kurz mal wieder Loslassen, denn…

Die nächste Chance wartete schon

während Günes alljährlichen Familienurlaubs in Canakkale während der Sommerferien.

Ich kann mich noch an ihren Anruf erinnern: Anja, du musst kommen! Hier wächst alles in Unmengen, Äpfel, Erdbeeren, Kirschen, Pfirsiche, Melonen.

Egal wo wir produzieren wollten, stand immer die Frage im Raum, woher denn die Früchte kommen würden. Das Traumszenario war unsere Früchte direkt vom Bauern zu beziehen, sodass wir einen echten Bezug zu den Zutaten, ihrer Qualität und den Menschen, die dahinterstehen haben. Hier war es nun möglich, auch wenn wir (noch) keine Ernten aufkaufen können. Ein paar Tage später stand alles, Termine mit Biobauern, BIO-Kooperativen, IHK, Steuerbüros, Fördergeldstellen inklusive möglichem Produzenten. Der Input der Kontakte dort war so konkret, wir spürten Rückenwind.

Ein erfrischendes Highlight war das Angebot eines eigenen Bio Apfelfeldes, das in 5 Jahren Früchte tragen würde. So richtig schön praktisch und konkret im Hier und jetzt statt ewiger Zukunftsmusik.

Was war mit regional, saisonal, global, lokal? Jetzt total egal?

Nach diversen Anläufen in Zeitz, der Lausitz, Berlin, München, Spreewald, Allgäu, London, Rumänien, Kroatien und gefühlt endlos vielen weiteren Orten, als mögliche Produktionsstätte, kann ich sagen, es gibt 1001 Gründe, weswegen es am Ende nicht klappt. Und dazu kommen so viele eigene Ansprüche und Werte, möglichst keinen Schaden an der Umwelt zu erzeugen mit der Herstellung bei einem Preis der machbar ist.

In der Türkei bekommen wir erstmals alles unter diesen einen Hut! Es macht einfach Sinn, da zu verarbeiten wo die Früchte wachsen, zugunsten der Qualität aber auch aus ökologischen Gründen. Weniger Transportwege, weniger Co2 Ausstoß, und vor allem so viele Möglichkeiten mehr für den Ökolandbau vor Ort zu tun.

Am Ende kam der Frieden mit der Einsicht, dass es egal ist auf welchem Fleckchen Erde man mit Veränderung startet. Es gibt überall viel zu tun! (Bild 3 trockene Erde)

Im nächsten Blogpost:
Warum auch diesmal alles anders kam! nämlich noch besser…